Projekt „Tandem hospizINKLUSIV“: Ausbildung erfolgreich beendet

23. Oktober 2020: Teilnehmerin aus der WuB erhält Zertifikat

Mit dem Pilotprojekt „Tandem hospizINKLUSIV“ ist die hospiz-initiative kiel e. v. der erste Hospizdienst in Deutschland, der eine Ausbildung von Hospizbegleitern mit und für Menschen mit Beeinträchtigungen durchgeführt hat. Drei Teilnehmende aus der Eingliederungshilfe in Schleswig-Holstein ließen sich im Laufe dieses Jahres in den Bereichen hospizliche und palliative Begleitung sowie Trauerbegleitung qualifizieren und von Projektleiterin Jessyka Naase-Begier zu Experten ausbilden. Eine Teilnehmerin ist Anika Jonas, Beschäftigte und Bewohnerin der Werk- und Betreuungsstätte für Körperbehinderte gGmbH (WuB) in Ottendorf bei Kiel. Bereits am Palliative Care-Konzept für Einrichtungen der Eingliederungshilfe, das die WuB in Kooperation mit der hospiz-initiative kiel e. v. erarbeitet hat, war die 22-Jährige aktiv beteiligt. Auf die Frage nach ihrer Motivation zu dieser Ausbildung, sagt Anika Jonas, Sterben, Tod und Trauer seien noch bei zu vielen Menschen Tabuthemen. „Ich wünsche mir hier mehr Offenheit und hoffe, mit meinem Engagement in meinem persönlichen Umfeld einen Teil dazu beitragen zu können.“

„Tandem hospizINKLUSIV“ wurde mit finanzieller Unterstützung des Amts für Soziale Dienste der Stadt Kiel verwirklicht. Über neun Monate vermittelte die Ausbildung in 80 Unterrichtseinheiten Grundlegendes und Weiterführendes zum Thema Sterbe- und Trauerbegleitung. Der Grundkurs informierte die Teilnehmenden über Allgemeines zur hospizlichen Entwicklung, zu Palliativmedizin und Demenz und zum Begriff Palliative Care. Es ging um methodische Grundschritte in der Sterbebegleitung und darum, woran man einen sterbenden und schließlich einen toten Körper erkennt. Es gab Informationen zur Pflege schwerstkranker und sterbender Menschen und zu Bestattungsformen. Im Vertiefungskurs wurden die Inhalte und Möglichkeiten der Trauerbegleitung genauer behandelt. Verschiedene Trauerreaktionen und Abschiedsmomente, mögliche Unterstützung in der Trauer, ob mit verbaler oder nonverbaler Kommunikation sowie die Bedeutung von Ritualen diskutierte die Arbeitsgruppe. Schließlich ging es während der gesamten Ausbildung immer wieder auch um die eigene Haltung zum Thema. Hier wurde z. B. über die eigenen Grenzen und Ressourcen gesprochen, aber auch über Humor in der Sterbebegleitung als Form der Kommunikation und Kraftquelle.

Jetzt ist das Projekt zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Im Oktober 2020 wurden während einer Feierstunde die Zertifikate an Anika Jonas und ihre zwei Mitstreiter überreicht, die sich über den abgeschlossenen Kurs freuten. Für alle drei gab es neben den unterrichteten Kursmodulen auch neue Einblicke ins eigene Ich, die Anika Jonas so beschreibt: „Ich habe jetzt noch einmal eine ganz andere Wahrnehmung von mir selbst. Als wir im Kurs über Grenzen gesprochen haben, ist mir klargeworden, bis wohin ich gehen kann.“ Zukünftig wird sie gemeinsam mit ihrem Tandem-Partner, einem erfahrenen Hospizbegleiter, für die hospiz-initiative kiel e. v. Sterbende begleiten oder Trauernden Beistand leisten. „Ich bin stolz auf die drei, die alle gute Begleiter werden“, sagte Ausbilderin Jessyka Naase-Begier am Rande der Feierlichkeiten, die coronabedingt nur im engsten Kreis stattfinden konnten. Anika Jonas brachte es für alle auf den Punkt: „Das ist ein großer Moment, wenn auch in einem kleinen Rahmen. Ich freue mich sehr auf die neuen Aufgaben mit meinem Tandem-Partner.“

 

 

Von: Inga Tolk

Anika Jonas und die Projektleiterin Jessyka Naase-Begier (rechts) posieren vor einem Wandbild, das während des Kurses entstanden ist.

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